Ingeborg-Warschke-Nachwuchsförderpreis 2026 – Forschung, die Immobilienprojekte weiterbringt
Drei ausgezeichnete Masterarbeiten zeigen, wie klare Zuständigkeiten, ein kritisch geprüfter KI-Einsatz und bessere Daten die Immobilienpraxis voranbringen.
Wie gelingt die Sanierung im laufenden Betrieb? Wo kann Künstliche Intelligenz die Projektsteuerung unterstützen – und wo braucht es weiterhin menschliches Urteilsvermögen? Und was verraten verfügbare Daten über das Angebot an Sozialwohnungen?
Die ausgezeichneten Masterarbeiten von Lina Janßen, Anastasiya Fliychuk und Lea Lott widmen sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Ihre Forschung macht deutlich: Klare Zuständigkeiten, verlässliche Informationen und sorgfältige Analysen sind entscheidend, um komplexe Aufgaben in der Immobilienwirtschaft besser zu verstehen und zu steuern.
Die Preisverleihung fand im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen statt. Die Schirmherrschaft übernahm erneut Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Prof. Dr. Verena Rock engagierte sich als Juryvorsitzende.
Drei Arbeiten – drei Perspektiven auf die Immobilienpraxis:
Lina Janßen: Schnittstellen im Sanierungsbetrieb besser steuern
„Schnittstellenmanagement im Sanierungsbetrieb von Gewerbeimmobilien – Risiken, Reibungsverluste und Optimierungspotenziale zwischen Property Management, Asset Management und Projektentwicklung“
Bei Sanierungen im laufenden Betrieb treffen strategische Investitionsziele, Projektanforderungen und die Bedingungen des Gebäudebetriebs unmittelbar aufeinander. Lina Janßens Arbeit zeigt, dass Reibungsverluste häufig dort entstehen, wo Zuständigkeiten unklar sind, Übergaben nicht geregelt werden oder Informationen nicht zuverlässig fließen.
Ihr Ansatz: ein Governance-Modell mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten, verbindlichen Prozessen und Kommunikationswegen sowie transparenten Entscheidungs- und Eskalationsmechanismen.
„Bei Sanierungen im laufenden Betrieb wächst der Bedarf an frühzeitiger und kontinuierlicher Koordination.“
Janßens zentrale Erkenntnis: Schnittstellenmanagement ist ein integraler Bestandteil der erfolgreichen Steuerung von Sanierungsmaßnahmen.
Anastasiya Fliychuk: KI kann Termine analysieren – aber nicht den Kontext ersetzen
„Terminkontrolle und -steuerung von Projekten durch Künstliche Intelligenz“
Anastasiya Fliychuk untersuchte, wie KI Projektsteuererinnen und Projektsteuerer bei der Prüfung von Terminplänen unterstützen kann. In einem Test analysierte die KI Änderungen in einem Bauprojekt, erkannte Ursache-Wirkungs-Ketten von Verzögerungen und formulierte priorisierte Handlungsempfehlungen – in wenigen Minuten.
Die Untersuchung zeigt zugleich klare Grenzen: Strategische Umstrukturierungen und informelle Projektdynamiken erfasste die KI nicht zuverlässig. Teilweise lieferte sie unbelegte Kostenprognosen oder verwies auf nicht existierende Dokumente. Auch die Perspektiven von Bauherr, Auftragnehmer und Projektsteuerung wurden gelegentlich verwechselt.
„Künstliche Intelligenz kann die Terminplananalyse im Bauwesen von Tagen auf Minuten verkürzen – doch die entscheidenden strategischen und menschlichen Aspekte bleiben Aufgabe der Projektsteuerer.“
Die Arbeit plädiert damit für einen gezielten, kritisch begleiteten Einsatz von KI.
Lea Lott: Sozialwohnungsangebot mit besseren Daten verstehen
„The Determinants of Social Housing Supply in Germany: A Panel Data Analysis of Urban Housing Markets“
Lea Lott analysierte Daten aus den Jahren 2007 bis 2024 für die 15 größten deutschen Städte. Ihre Frage: Welche institutionellen Rahmenbedingungen und lokalen Marktstrukturen beeinflussen das Angebot sozial geförderter Mietwohnungen?
In den bevorzugten Modellspezifikationen zeigt sich ein negativer und statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen kurzfristigen Mietsteigerungen und dem in Online-Inseraten sichtbaren Angebot an Wohnungen mit Wohnberechtigungsschein. Einen eindeutigen Einfluss der Förderregime konnte die Untersuchung nicht feststellen.
Die Ergebnisse bilden allerdings nicht den gesamten Sozialwohnungsbestand ab: Viele Wohnungen werden über Wartelisten oder andere Vergabeverfahren vermittelt. Auch die Förderprogramme und die verfügbaren Daten unterscheiden sich zwischen den Ländern. Die Arbeit unterstreicht daher den Bedarf an einer harmonisierten Datengrundlage.
Eine Bühne für Nachwuchsforschung
Mit dem Ingeborg-Warschke-Nachwuchsförderpreis würdigt der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft e. V. exzellente Abschlussarbeiten von Absolventinnen immobilienwirtschaftlicher Studiengänge. Die Preisverleihung macht wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich und stärkt den Austausch zwischen Wissenschaft und Immobilienwirtschaft. Seit 2015 trägt der Preis den Namen der Vereinsgründerin Ingeborg Warschke.




